Ein explain Artikel
Ein Jahr in Präsentationsmomenten und Departments.
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Im Laufe eines Jahres wird in Unternehmen zu zahlreichen Anlässen präsentiert. Doch was unterscheidet diese Präsentationen? Wozu sind sie gut? Und wie wird eigentlich bei einem Unternehmen präsentiert, das seit 15 Jahren nichts anderes macht als Präsentationen?
Feuerwerkskörper schießen durch die Karlsruher Nacht und beleuchten den Haydnplatz. Arm in Arm stehe ich mit meinem besten Freund und Geschäftspartner, Sven Hager, in unserem Präsentationsraum im zweiten Stock und bestaune das Spektakel.
Es sollte der Höhepunkt unserer 10 Jahresfeier sein. Der Raum übervoll mit Freunden, Familie, Mitarbeitern und den engsten Kunden, ein Knistern in der Luft. Auf diesen Tag habe ich drei Jahre lang hin gefiebert. Lange war ich Prokurist der aufstrebenden Präsentationsagentur explain, an diesem Tag sollte ich im zarten Alter von 27 Jahren CEO werden. Und mein Compagnon Sven würde sogleich ins wohl verdiente Sabbatical gehen.
Da stand ich also mit Tränen in den Augen, übermannt von der gelungenen Raketen Überraschung meines Kumpels. In der letzten Stunde schauten wir gemeinsam zurück in unsere junge wilde Start-up Geschichte und erlebten die besonderen Momente noch einmal kurz im Schnelldurchlauf.
Nun war ich dran. Mir war schlecht. Schon den ganzen Tag und die Nacht zuvor, kaum geschlafen. Und da standen sie alle vor mir, meine bisherigen Kollegen und künftigen Mitarbeiter.
All eyes on me
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Nur zehn Minuten Präsentationszeit, aber so intensiv, dass sie für mich bis heute kaum in Worte zu fassen sind. Lange habe ich mich vorbereitet, immer wieder meine Rede verworfen. Was soll ich sagen, was lieber nicht? Sicherlich setze ich mit diesem Moment den Ton für meine anstehende Amtszeit. Mir war es wichtig Danke zu sagen und mit Demut die neue Funktion anzutreten. Und so kam es dann auch: ein kurzes Dankeschön, ein kurzer Ausblick, ein paar persönliche Akzente – auf was möchte ich Wert legen, woran kann man mich messen, auf was dürfen sich meine Leute freuen? Das war’s dann schon: kurz, intensiv, bewegend für mich und vielleicht auch für das Publikum – wenn ich den gefühlt 1001 Glückwünschen und Umarmungen Glauben schenken darf.
An diesem Tag, in diesem Moment sollte ich verstehen, wie wichtig Präsentationen für mich sein können! Und das war erst der Anfang …
No money, more problems
Drei Monate gingen ins Land ehe die erste große Herausforderung auf mich zukam. Wir wuchsen in diesen Jahren kontinuierlich, hatten große Kunden mit immer größer werdenden Projekten. So weit, so gut! In dieser Phase arbeiteten wir an einem Großprojekt in bisher nicht da gewesener Dimension. 4 Wochen Laufzeit, 80 % der Mannschaft beteiligt, im Finale mit Overnight-Einsatz und – das war der entscheidende Punkt – über den Monatswechsel hinaus. Wir waren extrem stolz auf dieses Megaprojekt. Nur ich wurde immer nervöser. Wieso? Der Kontostand! Tag für Tag bedienten wir die üblichen Verbindlichkeiten: Miete, Versicherungen, Werbungskosten und wie sie alle heißen. Harte Arbeit soll entlohnt werden, da sind wir uns einig!
Payday: Durch die lange Projektzeit konnten wir noch keine Rechnung stellen und unser Kontostand wurde immer niedriger. Meine erste schlaflose Nacht als CEO folgte. Dann traf ich zwei fundamentale Entscheidungen. Erstens, ich ging zu meinem Bänker. Der empfing mich freundlich und hilfsbereit, wie immer. Ich präsentierte ihm unsere erfolgsversprechende Ausrichtung und natürlich unser klitzekleines Liquiditätsproblem … Für ihn kein Problem – unser Rating hervorragend und deshalb im Nullkommanichts durch einen Dispoüberbrückungskredit gelöst. Ende gut, alles gut! Ich konnte die Gehälter pünktlich überweisen, wie jeden Monat, und endlich wieder ruhig schlafen.
Wieso erzähle ich Ihnen das? Wegen der zweiten Entscheidung. Ich entschied mich, mit dieser Challenge offen umzugehen und meinen Mitarbeitern davon zu erzählen. Alle zusammen wieder in unserem Präsentationsraum, wie im Januar, nur dass ich ihnen dieses Mal von meinem beinahe Liquiditätscrash erzählte.
Das war die Geburtsstunde unserer Teammeetings. Ab sofort jede Woche, eine Stunde, alle zusammen in unserem Präsentationsraum. Good morning, explain! Wir haben uns die Erfolge der Woche angeschaut und auch die Herausforderungen. Somit hatten wir ein gemeinsames Verständnis für unsere Entscheidungen, für die einfachen und vor allem für die schwierigen.
Mein offener Umgang mit dem Problem, die Gehälter nicht bezahlen zu können – ein Problem, das ja alle im Unternehmen betrifft – hat mir gezeigt, dass ich dadurch Transparenz schaffe. Das sorgt für Verständnis und Vertrauen untereinander. Und es entspannt das von Natur aus strapazierte Verhältnis von Mannschaft zu Führungsebene. Mit der Zeit ist daraus ein richtiger Präsentationsrhythmus über das gesamte Jahr entstanden.
Einmal im Schnelldurchlauf durch das explain Präsentationsjahr
#01 - Jahresauftakt
Mit Abstand die aufregendste Session im Jahr für Präsentatoren und Zuschauer. Launch der Jahresziele und Strategien, umrahmt von einer Schiffsmetapher, die seit Jahren Vergangenheit und Zukunft der explain beschreibt und somit Verständnisanker ist für Mitarbeiter aller Kulturen, Bildungshintergründe und Erfahrungen.
#02 - Quartalsrückblick
Moment der Selbstreflexion und der Bewertung der Zwischenziele. Die Vorbereitung wirkt wie eine kleine Strategieklausur. Man fragt sich, was man erreicht hat und was nicht und wo Korrekturen notwendig sind. Die Führungskräfte dürfen das auf der Bühne weitergeben – das formt sie und die Zuschauer.
#03 - Teammeeting
Im Idealfall jede Woche zur Moderation des Tagesgeschehens und als Werkzeug für Change-Prozesse. Veränderung macht keinem Spaß, außer man versteht sie. Erfolge gemeinsam feiern und Herausforderungen so offen wie möglich ansprechen. Ab und zu ein Gast, Kunde, Experte extern oder intern. Am Ende ist das der größtmögliche Einflussfaktor auf die Unternehmenskultur.
#04 - Special Moments
Schließung einer Abteilung, Standortverlagerung, Absage eines Großprojekts, Vision, Ausstieg des Gründers – das haben wir alles schon erlebt. Das waren mit Abstand die spektakulärsten Präsentationen, die wir selbst erfahren haben. Stets begleitet von einem passenden Inszenierungsrahmen und viel Vorarbeit. Wahrscheinlich war es auch nur deshalb so erfolgreich.
Präsentationen in den Abteilungen
Überall wird präsentiert, nicht nur bei uns. 30 Millionen Mal am Tag, das wissen wir noch aus der ersten Ausgabe. Daher sind Präsentationen ein Erfolgsfaktor für Unternehmen, gerade im B2B das Kommunikationsinstrument Nummer 1. Gehen wir es gemeinsam durch. An welchen Schlüsselmomenten kann ich mit einer starken Präsentation punkten?
Präsentationen haben also einen enorm großen Einfluss auf den Unternehmenserfolg. In eigentlich allen Abteilungen kommen sie zum Einsatz. Kommuniziert werden muss überall, nach innen und außen. Ob gut oder schlecht haben nicht PowerPoint, Keynote oder was auch immer, sondern Sie alleine in der Hand! 2014 war mir der Einfluss meiner Präsentationsmomente noch gar nicht so bewusst. Heute weiß ich genau, wie wichtig und wertvoll sie in meiner alltäglichen Arbeit sind. Viel Zeit fließt in die Vorbereitung, denn Kommunikation ist die Hauptarbeit meiner CEO-Verantwortung und Präsentationen mein Vehikel Nummer 1. Wenn ich es schaffe meine Mannschaft mit guten Strategien und Inhalten in unterhaltsamen Vorträgen mitzureißen, dann haben wir gemeinsam viel gewonnen!
Meine Empfehlungen
Behalten Sie den Überblick über die verschiedenen Präsentationsanlässe des Jahres – und zwar unternehmensweit. Bereiten Sie sich proaktiv auf diese Momente vor und vermeiden Sie Overnight-Vorbereitungen, denn das macht sich in der Qualität bemerkbar! Betrachten Sie Präsentationen ganzheitlich: Starten Sie mit dem Inhalt, der Entwicklung einer überzeugenden Storyline. Setzen Sie Präsentationsmedien ein, die Sie unterstützen, Ihnen jedoch nicht das Reden abnehmen. Und je größer Anlass und Auswirkungen Ihrer Präsentation sind, desto intensiver sollten Sie üben.
Das verstehen wir unter Corporate Presenting: unternehmensweit, ganzheitlich mit hohem Qualitätsanspruch. Damit erreichen Sie eine einflussreiche Präsentations- und Kommunikationskultur in Ihrem Unternehmen.
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#01 - C-Level
Wir drehen am großen Rad, das geht aber nur gemeinsam. Führungskompetenz speist sich aus festgelegten Zielen und der Erreichung davon, aber vor allem – und das ist der anspruchsvollste Part dazwischen – unsere Mitarbeiter davon zu überzeugen. Visionen, Ziele und Strategien haben nur dann Kraft, wenn sie alle verstanden haben und wir gemeinsam daran arbeiten.
Beispiele
Strategiepräsentation, Jahresauftakt, Quartalsabschluss, Führungskommunikation, Status-quo-Reportings der Abteilungen, Jahresrückblick, Boardmeeting
#02 - Investor Relations
In diesem Zusammenhang habe ich eine unglaubliche Geschichte erlebt. Ein Großunternehmen hat uns vor einiger Zeit eingeladen. Aktienkurs sinkend, die Märkte unzufrieden. Seit einiger Zeit ein großes Beratungsunternehmen im Haus, um den Laden auf links zu drehen. Dann der große Tag: Wie es das Aktiengesetz vorsieht, müssen alle großen Veränderungen an die Aktionäre kommuniziert werden. Für diesen besonderen Tag wurden wir engagiert. Eine Woche lang ging es darum, die neue Strategie mit den Assistenzen der Vorstände in Präsentationsform zu gießen. Was für ein Projekt! Der Investorentermin war ein voller Erfolg. Der Wendepunkt der Aktien ist tagesgenau auf diesen Moment zurück zu führen. Nicht auszumalen, was passiert wäre, wenn …
Beispiele
Investoren-Pitch, Investorenpräsentation, Jahreshauptversammlung, Partnerschaften schließen, Bilanzpressekonferenz, Generalversammlung (CH)
#03 - Human Resources
Engpass der letzten Jahrzehnte war die Kundenakquise. Heute dreht sich der Wind dahin, gute Mitarbeiter zu finden und zu halten. Wer sich nicht ins Zeug legt, hat im Bewerbermarkt keine Chance. In einem globalen Markt ist der Mitarbeiterengpass eine der größten Wachstumsbremsen im deutschsprachigen Raum. Glauben wir einer neuen Gallup-Studie, wollen die Bewerber von heute vor allem drei Dinge: Selbstverwirklichung, sinnstiftende Arbeit und gute Führung. Bühne frei! Dies erreichen wir, indem wir unsere Unternehmen und Marken nicht nur für Kunden sondern auch für Mitarbeiter erlebbar machen. Durch transparente interne Kommunikation stecken wir sie an und begeistern die Menschen für unser Unternehmen.
Beispiele
Interne Schulungen, Produktschulungen, Onboarding, Train the Trainer, Sicherheitsunterweisungen, Coaching, Recruiting, Führungskräfteentwicklung, Bewerbermarkt, Präsentation an Universitäten und Schulen
#04 - Sales
Die Präsentation ist der B2B Flagship Store. Jedes Produkt, das ich nicht mitnehmen oder in einen Onlinestore stellen kann, ist erklärungsbedürftig. Für Dienstleistungen trifft das noch mehr zu. Salespräsentationen haben den größten unmittelbaren Impact auf den Unternehmenserfolg.
Beispiele
Produktpräsentationen, Vertriebsbaukasten, Produktlaunch, Messepräsentation, Projektverlauf, Cases, Briefing und Kick-off, Portfolio, Showroom
#05 - Marketing
Hochglanzbroschüren, Webseiten und Messestände sollen den Kunden überzeugen. Kommt es dann zum entscheidenden Verkaufsgespräch, muss der Kunde im Live-Gespräch überzeugt werden. Liebes Marketingteam, bitte lassen Sie Ihre Salesmannschaft hier nicht im Stich und unterstützen Sie durch starke Verkaufsmaterialien den Deal! Leider wird an der Stelle noch viel zu hemdsärmelig gearbeitet. Deal or No Deal, Sie haben es in der Hand! Außerdem freut sich Generation Experience über unterhaltsame Markeninszenierungen, die im Kopf hängen bleiben und am Ende auch Kaufentscheidungen beeinflussen.
Beispiele
Unternehmenspräsentation, Jubiläen, Unternehmensgeschichte, Imagepräsentation, Welcome Lounge, Brand Experience Spaces, Eventpräsentationen, Inszenierungen
#06 - Public Relations
Großer Effekt, wenn nur die richtigen Botschaften erscheinen. Wenn ich die zielführend platzieren möchte, dann bereite ich eine Präsentation für die Pressekonferenz vor. Denn aus der freien Rede heraus entstehen selten strategisch sinnvolle Headlines. Die Messlatte liegt mittlerweile hoch. Steve Jobs, Elon Musk oder Al Gore haben uns vorgemacht, wie großartige Präsentationen auszusehen haben. Immer mehr werden Präsentationen zu Erlebnissen.
Beispiele
Keynotes, Sponsoring, Kooperationen, Reden in der Öffentlichkeit, Tag der offenen Tür, Unternehmensführungen, Pressekonferenzen, Influencer Meetings