Ein explain Artikel
Change is the new normal
Oder wie Wandel durch Kommunikation zur Normalität werden kann.
Globalisierung, Innovation, Digitalisierung, Disruption, Customer Centricity, Agilität, Transformation … Die Liste ist endlos. Eines dieser sogenannten Buzzwords (engl. für Modewort oder Phrase) ist mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Bestandteil der zahlreichen Präsentationen, Memos, Artikel und Meeting-Protokolle, die täglich in den Büros, Wirtschaftsredaktionen und an den Hochschulen dieser Welt erstellt werden.
Aber welche Auswirkungen hat der unaufhaltbare Wandel auf unsere Kommunikation oder unsere Art zu präsentieren?
Grundsätzlich ist Wandel niemals Normalität.
Laut Harvard Business Review ist die wichtigste Fähigkeit von Arbeitnehmern in der heutigen Zeit, sich dem Wandel anpassen zu können (HBR, 2016). Leider ist dies eine Fähigkeit, die nur selten in der Ausbildung, an der Hochschule oder in Fortbildungen gelehrt wird. Noch schwieriger wird es, da der Mensch ein grundsätzliches Sicherheitsbedürfnis hat – das uns immerhin früher das Überleben garantierte. Aus diesem Grund ist unsere heutige Gesellschaft oftmals von Zukunftssorgen umtrieben, gepaart mit der Angst, vom schnellen Wandel abgehängt zu werden.
Um der Aufgabe, Mitarbeiter und Unternehmen auf den unumgänglichen Wandel vorzubereiten, gerecht werden zu können, bedarf es also einer disziplinierten Strategie, dem sogenannten Change-Management. Eines der bekanntesten und meistgelehrten Modelle zum Change-Management stammt vom amerikanischen Management-Guru John Kotter. Dieser teilt den Prozess des Wandels in acht verschiedene Schritte, die sich leider nicht ausreichend mit der Angst vor dem Wandel auseinandersetzen und von denen sich nur ein Punkt explizit mit der Kommunikation beschäftigt.
Die Epoche des Wandels erschwert die Kommunikation
Der deutsche Soziologe Hartmut Rosa spricht von „Beschleunigung und Entfremdung“ als Kernelement jeglicher Modernisierung und zentralem Begriff unserer Epoche. Gemeint sind die technische Beschleunigung, die Beschleunigung des sozialen Wandels und die Beschleunigung des Lebenstempos.
Alle drei sind Ursachen dafür, dass uns in jedem Lebensbereich immer mehr Optionen geboten werden und wir dadurch unter einer permanenten Zeitknappheit leiden. Dieses Phänomen wird im Marketing als „Realtime“ bezeichnet und hier hat man bereits die Notwendigkeit erkannt, in Echtzeit zu kommunizieren, um die heutigen Konsumenten zu erreichen.
In diesem Zusammenhang trifft man oft auf eine viel zitierte Studie von Microsoft, nach der die menschliche Aufmerksamkeitsspanne in den vergangenen Jahren von zwölf Sekunden auf acht Sekunden gesunken ist und somit unter der eines Goldfisches liegt. Dieser These liegt leider eine teils fragwürdige Methodik zugrunde. Dennoch belegt sie, dass wir uns auf jeden Fall deutlich schwerer damit tun, Informationen zu filtern und zu priorisieren, beziehungsweise uns deutlich schneller ablenken lassen.
In der Epoche des Wandels wird es also zunehmend schwieriger, die Zielgruppe unserer Botschaften kommunikativ zu erreichen.
In Zeiten des Wandels wird es höchste Zeit, dass sich auch unsere Kommunikation wandelt.
Vom Wandel zur Normalität durch die richtige Kommunikation
Für einen erfolgreichen Wandel ist die stringente Kommunikation unabdingbar. Um Ängste im Zuge des Wandels abzubauen und sich in einer beschleunigten Welt Gehör zu verschaffen, ist es also unerlässlich, regelmäßig und zielgruppenorientiert zu kommunizieren.
Zum einen sollte erfolgreiche Kommunikation also regelmäßig, offen und transparent stattfinden, um Ängste und Sorgen zu adressieren. Der menschliche Kontakt durch persönliche Interaktion mit einem Sprecher oder direkten Dialog werden hierbei immer wertvoller und können niemals durch einen Avatar oder Chatbot ersetzt werden.
Zum anderen ist es in einer Zeit des Wandels und der Beschleunigung unbedingt notwendig, sich der Zielgruppe bewusst zu sein. Hierfür muss man sich ausreichend Zeit für Kommunikation einräumen. Sowohl während als auch in der Vorbereitung: Jegliche Kommunikationsform, sei es ein Vortrag, ein Gespräch im Meeting, eine Präsentation oder ein Briefing, sollte die unter Zeitknappheit leidende Zielgruppe direkt erreichen.
Um Relevanz zu schaffen, muss man sich ausführlich mit ihr auseinandersetzen. Von nun an geht es nicht mehr nur darum, was man zu sagen hat, sondern darum, was die Zuhörer wirklich interessiert – und diese Relevanz ist durchaus schmerzhaft. Alles Irrelevante kann und muss ersatzlos gestrichen werden und erfordert somit ein Höchstmaß an Reflexion, Zielgruppenorientierung und Konzentration auf das Wesentliche.
Um Wandel zur Normalität zu machen, bedarf es also mutiger Kommunikation. Mut, sich die nötige Zeit zu nehmen. Mut, sich mit der Zielgruppe auseinanderzusetzen. Und vor allem Mut, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Dieser Mut wird aber belohnt, wenn die Modewörter Disruption und Agilität mit der richtigen Kommunikation keine leeren Worthülsen bleiben, sondern mit Bedeutung gefüllt und Geschichten angereichert werden. Sie werden greifbar. Sie werden relevant.