Ein explain Artikel
Phänomen TEDX Präsentationen
„Ersticken Schulen die Kreativität?“
„Unsere Körpersprache bestimmt, wer wir sind.“
„Wie Führungspersönlichkeiten zum Handeln inspirieren.“
So lauten die Titel der wohl populärsten Vorträge der Welt – jeder mit seiner ganz eigenen „Idee, die es wert ist, verbreitet zu werden“. Kurz und knapp auf 18 Minuten begrenzt, gut strukturiert, neu und unterhaltsam, erreichen Fachvorträge – selbst solche über höchst wissenschaftliche Themen – plötzlich nie da gewesene Publikumsgrößen. So verfolgten bereits 40 Mio. Menschen aus aller Welt den Vortrag des britischen Pädagogikexperten Sir Ken Robinson, der sich leidenschaftlich für ein Bildungssystem ausspricht, das die Kreativität beflügelt.
Eine großartige Idee wird Realität
Die Rede ist vom immer bekannter werdenden Konferenzformat TED, ein Akronym für Technology, Entertainment, Design. TED begann vor mehr als 30 Jahren als kleine Innovationskonferenz, gegründet vom US-Amerikaner Richard Saul Wurman. Seine Idee war es, dem Einheitsbrei, der in sich abgeschlossenen Konferenzen, etwas entgegenzusetzen und Vordenker unterschiedlicher Fachbereiche zusammenzubringen. So, davon war Wurman überzeugt, könnten Innovationen entstehen. 1984 stellte er die erste Konferenz mit 300 Zuschauern auf die Beine.
Zu den TED-Sprechern der ersten Stunde gehörten Größen wie der Mathematiker Benoit Mandelbrot, Vater der fraktalen Geometrie, oder Technologievisionär Nicholas Negroponte. Nebenher präsentierten Aussteller neuste Technik in Form von Compact Discs, E-Books und 3D-Graphics. Steve Jobs zeigte interessierten Besuchern erste Gehversuche des Macintosh. Trotz dieses Aufgebots fuhr die erste TED prompt ein so großes Minus ein, dass die folgende Konferenz erst sechs Jahre später stattfand.
Vom Elitezirkel zur globalen Bewegung
Heute ist TED zu einem globalen Phänomen geworden, das weltweit Präsentationskulturen verändert hat. Al Gore, Bill Gates, Elizabeth Gilbert, Sir Richard Branson, Daniel Kahnemann, Elon Musk oder auch Jamie Oliver standen schon auf dem charakteristischen roten Punkt vor den riesigen Buchstaben auf der TED-Bühne. Ihre Talks gehören zu den mehr als 2000 Vorträgen, die über die 2006 gelaunchte Plattform TED.com mittlerweile mehr als acht Milliarden Zuschauer erreichen. Das ist mehr als die Weltbevölkerung.
Noch mehr Auftrieb erhält die mittlerweile größte Innovationskonferenz der Welt von ihrer kleinen Schwester TEDx. Dabei handelt es sich um unabhängig organisierte TED-Veranstaltungen. So finden weltweit inzwischen zehn TEDx Talks pro Tag statt. Auch in Deutschland wächst ihre Popularität. 2017 sind sie mit über 50 Veranstaltungen in rund 25 Städten vertreten. Gleichzeitig ist die Bandbreite der Themen vielfältiger geworden. Ob „Der beste Kindergarten, den Sie je gesehen haben.“ oder „Die Macht der Verletzlichkeit“, TED und TEDx Talks gehen heute weit über Themen von Technologie, Entertainment und Design hinaus. Talks aus Architektur, Gesundheit, Literatur sowie Popkultur und viele mehr ziehen immer mehr Menschen in ihren Bann.
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TED avanciert zur Königsdisziplin des Vortrags
Kurz: TED Talks sind voll im Trend. Für viele sind sie zum Goldstandard in der Vortragswelt geworden und damit Vorbild für Präsentierende aus allen Bereichen. Die zahlreicher werdenden Ratgeber wie „Talk like TED“, „der TED-Effekt“ oder „TED Talks“ sind ein deutliches Zeichen. Die Anziehungskraft von TED wirkt ebenfalls auf die Sender der Botschaft. Die Einladung, auf einer TED oder TEDx zu sprechen – bewerben kann man sich nämlich nicht – gilt als Ritterschlag für jeden Redner. Von diesen üben allerdings nur wenige das Reden als Profession aus. Vielmehr bringt TED/TEDx traditionellerweise „Experten, die reden“ auf die Bühne statt „Redeexperten“ oder gar Motivationsredner. Ein enthusiastischer Sprecher, der leidenschaftlich über sein Spezialgebiet spricht – oft auch mit wissenschaftlichem Hintergrund. Ideen, die das Potenzial haben, die „Welt zu verändern“.
Ein eindrücklicher Appell nach nachhaltigem, sozialen Wandel, persönliche Geschichten, Emotionalität und Verletzlichkeit. Der Einsatz von Humor, Requisiten und visuellen Hilfsmitteln. Der wie eine Plauderei anmutende Redestil in einer durchchoreografierten und hochprofessionellen Performance. Die zeitliche Begrenzung auf maximal 18 Minuten. Die umfangreiche Vorbereitung und das Coaching des Sprechers. Das alles sind Aspekte, die charakteristisch für einen TED Talk sind. Selbst in der Wissenschaft ist TED inzwischen als Untersuchungsobjekt angekommen. Dort ist bereits die Rede vom „TED Talk“ als neues Präsentationsgenre mit hohem Wiedererkennungswert.
TED-fizierung der Businesswelt?
Diese neuartige Qualität von TED wirkt sich sicher nicht nur auf viele begeisterte Anhänger aus. Sie färbt natürlicherweise auch ab auf die Businesswelt. Die sorgfältig kuratierten Talks machen aus Konsumenten anspruchsvollere Rezipienten von Präsentationen und schrauben Erwartungen auf neue Höhen. Diesen Anspruch tragen sie wiederum mit an den Arbeitsplatz, in Businessmeetings oder Konferenzen. Auch wenn „Talk like TED“ Bootcamps noch lange kein Standard in Trainingsabteilungen deutscher Unternehmen sind. Das Bewusstsein für Präsentationen nach Regeln von TED steigt. Nicht zuletzt durch die wachsende Anzahl deutscher Konzernvorstände von DAX-30-Unternehmen, die selbst auf der TED-Bühne gesprochen haben. Zu vermuten ist daher: Ähnlich, wie sich diese Menschen auf ihre Bühne vorbereitet haben, werden sich immer mehr Manager, Geschäftsführer, Sachverständige auf den Prozess des Coachings einlassen. Gerade auch für die wichtigen Bühnen in der Businesswelt. Seien wir also gespannt darauf, wie das Phänomen TED die Kommunikation in der Geschäftswelt beflügeln wird. Sehen Sie mehr unter WWW.TED.COM.