Ein explain Artikel
Das wichtigste Handwerkszeug eines CEOs
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Interview
explain Marketing Manager
Frank Asmus - Top Executive Coach
Salut lieber Frank, erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für mich nimmst. Wobei erwische ich dich denn gerade?
Ich komme gerade vom Joggen! Und gleich bereite ich ein paar Sachen vor. Denn morgen habe ich einen Vortrag auf Teneriffa.
Du kommst ganz schön rum. Aber du hast auch zwei Kinder (7 + 11 Jahre). Wie ist das denn, ständig unterwegs zu sein und dabei die Rolle des Vaters nicht zu verlieren?
Nicht immer einfach, wobei für meine Frau noch mehr als für mich (lacht). Sie meistert den Spagat zwischen zweifacher Mutter und meinem Büromanagement. Und das eben oft alleine. Ich versuche allerdings immer abends wieder zuhause zu sein. Gestern hat mir mein Sohn gesagt, dass mich seine Freunde alle cool finden. Ich würde also sagen, ich bekomme das gut hin. :)
Wie darf ich mir einen „normalen“ Arbeitstag bei dir vorstellen? Du bist ja nicht nur Keynote-Speaker, Top Executive Coach, sondern auch noch Pitch-Berater.
Mein Wecker klingelt um 6:30 Uhr. Nach Dusche und Frühstück starte ich den Tag mit einer halben Stunde Meditation, um Körper und Geist zu wecken. Ich überlege, was heute alles ansteht und was wichtig ist. Wenn ich einen Vortrag habe, wecke ich zusätzlich meine Stimme …
Wie darf ich mir das vorstellen?
Ich mache klassische Stimmübungen. Erstmal nach hinten dehnen, dann seitlich und dann einfach ausatmen und stehen. Danach weckt man die Kehle auf. Das kann man zum Beispiel durch „bah-bah-bah“ machen. „Bah-bah-bah“ und dann kann man zum Beispiel weiter nach vorne gehen, zum Beispiel Richtung „la-la-la“, also „ba-la“. Im Anschluss wird die Artikulation nach vorne bewegt mit „brrrrrrr-brrrrrrr“, um die Lippen weich zu bekommen. Danach vielleicht noch ein rollendes R dazu, und dann wird die Stimme geölt mit „eeeeeeeewwwwww“ „ooooooowwwww“ „weeeeeeeeewww“.
Das ist wichtig. Gerade wenn man an einem Tag drei Vorträge hat. Viele Speaker machen die eigene Stimme kaputt, weil sie sich nicht um sie kümmern. Aber die Stimme ist auch ein Teil der Seele und gerade deswegen sollte sie auch Aufmerksamkeit bekommen. Sie spiegelt die Psyche wider und wenn du als Top Coach oder Speaker unterwegs bist, solltest du nicht heiser sein.
Und was macht diese Stimme, nachdem sie wach und geölt ist?
Sie steigt, je nach Tag, in ein Taxi zum Flughafen und dann in den Flieger. Wenn ich als Coach gebucht bin, schaue ich mir vorher den Raum an und mache meine Vorbereitungen. Ich bin ja der Keynote Coach für Vorstände, Geschäftsführer und Unternehmer, und das ist auch das größte Geschäftsfeld. Deswegen tauche ich dort auf und treffe dann einen Vorstand. Aber manchmal auch ein Pitch-Team. Das kann vom Start-up, ein Immobilienteam oder auch ein Beratungsunternehmen sein – mittlerweile müssen alle pitchen. Zum Beispiel war ich diese Woche schon mit den Gründern von gruender.de zusammen und einen Tag später mit dem Vorstand der H-Hotels.
Ein weiteres Geschäftsfeld sind Vorträge, also Keynotes selbst. Ich unterstütze Top Executives weltweit. Damit meine ich Top-Unternehmen und Top-Brands wie Apple, Start-ups wie Zalando oder Großkonzerne und Hidden Champions. Natürlich immer jeweils mit Vorständen und Geschäftsführern und jeweiligen Unternehmern.
Und wo trifft man die CEOs?
Viele kommen zu mir nach Berlin und nutzen die Zeit, um den Kindern die Stadt zu zeigen. Berlin ist prächtig! Ich habe viele internationale Kunden, die ihre vorigen amerikanischen Coaches durch mich abgelöst haben, was mich natürlich stolz macht.
… das heißt, du unterstützt nebenberuflich den Tourismus in Berlin? :)
Viele meiner Kunden denken: „Mensch, dann nehme ich meine Familie mit! Dann besuche ich noch ein Start-up (das mir gehört) und schaue mal nach, wie es da so läuft und unterstütze vor Ort!“.
Und dann haben wir noch den Vorteil, dass sie eben nach Berlin kommen, weil hier gesichert ist, dass sie niemand sieht. Das ist jetzt bei jüngeren Start-up-Gründern, die auch sehr erfolgreich sind, egal. Wobei auch ein paar sehr große, erfolgreiche Start-up-Unternehmen, das auch nicht so gerne sehen, dass man hört, dass ich mit ihnen gearbeitet habe (lacht).
Warum? Hat das was mit dem jeweiligen Typus oder der Gesellschaft zu tun?
Jeder will cool sein, jeder will auf die Bühne kommen und alle sollen sagen: „Boah, Wahnsinn!“. Manche gehen da sehr transparent mit Coaching um und andere nicht.
Also ich sehe das vielschichtig, es gibt auf jeden Fall verschiedene Generationen. Es gibt die Babyboomer und natürlich die Generation Y. Es gibt dann auch Mentalitätsunterschiede, wir zwei wissen es, für Generation Y ist Feedback ganz normal und man bildet sich weiter. Dann gibt es natürlich auch Konzerne, wo es gerade beim Mittelmanagement noch nicht angekommen ist. Allerdings bei den meisten großen Konzernen, bei denen ich unterwegs bin, haben sich die Vorstände da schon deutlich verändert. Also so ein Dieter Zetsche ist ein cooler Typ, das muss man einfach sagen.
Der ist brutal cool, wenn man sich noch vorstellt, unter welchem Druck er steht. Ich habe ihn einmal im Flugzeug getroffen, da saß er in der Reihe 17, hatte einen pinkfarbenen Pullover an, Jeans und Sneaker. Wie geil ist das denn? Sein Führungsstil ist auch cool. Er hat ja seine Leute gefragt, „Wie wollt ihr denn zukünftig arbeiten?“. Ganz offen mit folgendem Ergebnis: Weniger Hierarchie und zeitliche/örtliche Flexibilität. Daher würde ich sagen, an den Köpfen liegt es nicht – es ist mehr die Ebene darunter, die schwerfällig ist. Weil denen natürlich gewisse Informationen fehlen, sie sich auch nicht tagtäglich mit strategischen Dingen befassen oder darüber nachdenken, wie sich die Welt bewegt. Das ist kein Vorwurf. Um zurückzukommen, viele von diesen Konzernleuten wollen dann natürlich auch mit Transparenz umgehen. Aber aus politischen Gründen geht das häufig nicht. Wir leben einfach in Zeiten von Shitstorm und Co. Wenn dann jemand auf die Bühne kommt, einen guten Job macht, dann gibt es immer jemanden der sagt: „Mensch, der Frank Asmus hat den vorbereitet … war ja klar, hier geht es nur um die Show! Der ist ja so teuer … wisst ihr, was der bezahlt hat dafür?“. Und deswegen müssen auch bestimmte Vorstände wahnsinnig vorsichtig sein. Unglaublich.
Das zeigt einmal mehr, wie wichtig Präsentationen für und in Unternehmen sind, oder?
Bei einem Steve Jobs beispielsweise, bei dem war die Keynote auf der Bühne das Zentrum der strategischen Kommunikation des Konzerns. Das heißt, während der Keynote hat sich auch die Website verändert, von dort aus wurden die gleichen Botschaften in die Welt hinausgetragen bis zum Aufsteller nach China. Die Keynote ist das Zentrum der strategischen Kommunikation und wenn man das so sieht, ist es natürlich sinnvoll, ordentlich Arbeit zu investieren. Damit kannst du nämlich auch die Kommunikation multiplizieren.
Also ist der Sprecher das Gesicht der strategischen Kommunikation?
Wir sind Menschen. Und wenn ein Konzern ein Gesicht hat, dann ist auch die Identifikation mit dem Konzern in der Regel viel höher. Vor allem wenn der Typ cool ist, was zu erzählen hat und wirklich der Gründer ist, wie bei Steve Jobs oder Elon Musk. Das heißt also, dass du, egal in welchem unternehmen, gesehen werden musst. Ich habe mehrere Hidden Champions und Familienunternehmen auf die Bühne geholt. Wenn man 70 Auslandsniederlassungen hat, dann wird man häufig als Unternehmer nicht gesehen. Wenn man aber dann eine Keynote hält, die überzeugend ist und die Leute mitreißt, die womöglich auch noch per Video auf der Welt überall zu sehen ist, hast du ein ganz anderes Commitment.
Ich kann mir vorstellen, dass ein Sprecher mit einem Schauspieler zu vergleichen ist. Schließlich identifiziert man sich in einem Film auch mit der einen oder anderen Rolle als Zuschauer …
Mhm, absolut. Kann man so sagen. Eine gute Keynote ist wie ein authentisches Theaterstück. Erstens: Es hat eine starke Dramaturgie, klare Botschaften und Argumentationsmittel. Zweitens: Es hat Instant-Verstärker, also das ist die Zündung, und da ist auch häufig die Emotion drin. Drittens: Der Akteur auf der Bühne weiß, was er sagt. Also Steve Jobs hat ja mindestens zwei volle Tage geprobt für so eine Keynote. Für andere ein Theater. Aber als ursprünglicher Theaterregisseur finde ich das sogar noch wenig. Allerdings hat er auch wochenlang die Pläne, die Präsentationen mit vorbereitet. Das heißt, er war da sehr tief mit drin. Wenn du das entwickelst, dann bist du ja schon ständig damit verbunden und am Proben. Aber ich als Regisseur sehe das als ein Theaterstück. Das ist das größte Geheimnis von den starken Steve Jobs Präsentationen, oder manchen Start-ups, die es eben auch so machen.
Gerade heute in der digitalen Welt ist es immer sehr stark, wenn jemand auf die Bühne kommt und die Leute einnimmt. Es kann so viel bewegt werden. Ich kann mit breiter Brust sagen, ich bin an einigen Wirtschaftskarrieren deutlich mitbeteiligt.
Stell dir vor, ein Unternehmen wird übernommen von jemandem, den noch keiner kennt. Wenn dieser Mensch nun auf die Bühne kommt und sie auch richtig nutzt, sprich: seine starken Botschaften mit Klarheit und Emotion adressiert, dann kann er die Menschen, die Mitarbeiter, die Shareholder richtig flashen. Das zahlt sich am Ende nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für seine eigene Karriere aus. Die Arbeit an diesem Kommunikationsprozess lohnt sich vielfach.
Also ist das Handwerkszeug eines CEO die Kommunikation?
Absolut. Also für Steve Jobs war das immer klar. Einerseits geht es um die Innovation, die Qualität der Produkte und Dienstleistung und auf der anderen Seite geht es um die Kommunikation der Innovation, der Qualität der Produkte und Dienstleistung. Und das ist quasi gleichbedeutend. Eine Führungsperson handelt durch Kommunikation.
Kommunikation durch Präsentationen bzw. Keynotes?
Steve Jobs hat nie selbst Computer gebaut und Dieter Zetsche noch nie ein Auto. Sie müssen aber alles grundsätzlich kommunizieren. Das ist ihr Handwerk. Ihr Handwerk ist kommunizieren. Und da ist viel Arbeit im Vorfeld, weil sie ja strategisch handeln müssen. Du musst priorisieren, du musst sagen, welche Botschaften sind im Vordergrund und all diese Dinge. Einer guten Keynote als Vorstand geht immer eine kleine Strategieklausur voraus. Eine gute Präsentation ist für mich sofort klar. Gute Präsentationen sind immer Selbstklärung.
Du hast schon einiges erleben dürfen – was überrascht einen Frank Asmus noch?
Ich freue mich über Menschen und es überrascht mich immer wieder, welchen Menschen man eine Etage tiefer erlebt. Also wenn alle Künstlichkeiten wegfallen und der Mensch authentisch wird.
Frank, dank dir weiß ich jetzt, dass ich weiterhin in der Economy Class reisen kann, um interessante Menschen zu treffen, öfter nach Berlin sollte, ich weiß, dass Dieter Zetsche auch mal Rosa trägt und ich weiß, wie wichtig der Auftritt auf der Bühne ist. Was gibt es noch, das du mir und den Lesern mitteilen möchtest?
Also ich bin davon überzeugt, dass Public Speaking immer wichtiger wird. In Zeiten der Digitalisierung, in denen jeder ein Smartphone in der Hand hat, wird das immer wichtiger, denn man kann überall gefilmt werden und damit wird es multipliziert. Da gibt es gar keinen Zweifel. Das wird immer mehr eine Grundkompetenz von Führungspersonen werden. Aber es geht auch immer um den Content. Die Königsdisziplin ist und bleibt ein echter Content-Speaker. Und ein Content-Speaker ist für mich jemand, der exzellenten Content hat und im besten Falle das exzellent rüberbringen kann. Das bekommt man nicht bei einem Motivationstrainer. Deswegen ist die Auswahl des Dienstleisters auch enorm wichtig.
Dein Wunsch für die Zukunft? Natürlich neben dem Weltfrieden …? ;)
Menschen müssen erkennen: Public Speaking wird immer wichtiger – und man kann es lernen!
Warum arbeitest du mit explain zusammen?
explain ist mein Partner, von der Keynote eines Vorstandes über einen Produkt-Launch bis hin zu einer Keynote für einen Top-Speaker oder Pitch. Ausserdem hat es explain verstanden, wie Slides kommunikationspsychologisch wirken. Slides sind aus meiner Sicht nicht zur Unterstützung des Redners, Slides sind für mich der visuelle Verstärker des Sprechers und seiner Botschaften. Und es sind wahnsinnig sympathische Leute!